Neurologie & Psychiatrie

Östrogene und Zentralnervensystem: Migräne in der Peri- und Postmenopause

„Wir wissen, dass Östrogene komplexe dynamische Effekte auf ausgedehnte Regionen des zentralen Nervensystems ausüben“, erklärte Dr. Mira Katan. „Aber auch Progesterone rufen eigene charakteristische Wirkungen im ZNS hervor. Daneben üben sie auch mit den Östrogenen Wechselwirkung aus.“ Daten liegen jedoch vor allem zur Wirkung von Östrogenen auf das ZNS vor. Östrogene haben zum einen über α- und β-Rezeptoren direkt einen Einfluss auf das ZNS, sie beeinflussen aber auch die meisten Neurotransmittersysteme. Es liegt nahe, dass eine Veränderung im Östrogenspiegel auch neurologische Erkrankungen, wie z.B. die Migräne, beeinflusst.

Häufigkeit in Peri- und Postmenopause

Frauen sind von Migräne häufiger betroffen als Männer.1 „Beschrieben wird, dass die Häufigkeit der Migräneattacken in der Perimenopause steigt, während sie in der Postmenopause sinkt“, so Katan. Erklärt wird dies mit der Östrogen-Entzugstheorie. MacGregor et al zeigten, dass bei Frauen mit einer zyklusbezogenen Migräne Attacken vor allem in der Phase eines absinkenden Östrogenspiegels auftraten.2 Ein Absinken des Östrogenspiegels beeinflusst über das serotonerge System, die atrialen natriuretischen Peptide und das Neuropeptid Y das trigeminovaskuläre System, welches in der Entstehung einer Migräneattacke eine wichtige Rolle spielt. Der Östrogenabfall führt zu einer Prostaglandin-Ausschüttung und zu einer veränderten Schmerzempfindung. Patientinnen mit hormonell ausgelöster Migräne reagieren auch auf nicht pharmakologische Therapieoptionen meist nicht. „Empfohlen werden zur Behandlung der Attacke Analgetika wie Ibuprofen, ASS und Paracetamol. Wichtig ist eine Gabe von Antiemetika, und nicht nur, damit die Schmerzmedikation nicht erbrochen, sondern weil die Resorption verbessert wird“, so Katan. Falls NSARs nur eine ungenügende Wirkung zeigen, sollten Triptane zum Einsatz kommen. „Denken Sie daran, dass Patientinnen bei einer ungenügenden Schmerzlinderung dazu tendieren, immer mehr Schmerzmittel einzusetzen. Der Abusus kann zu einem Teufelskreis führen, der sich oft nur durch Hospitalisation durchbrechen lässt“, sagte Katan.

Prophylaxe von Migräneattacken ist möglich

Mittlerweile stehen auch Möglichkeiten zur Prophylaxe von Migräneattacken zur Verfügung. Eine Prophylaxe ist indiziert bei mehr als 3 Attacken pro Monat, wenn es sich um sehr starke, langdauernde Attacken mit schlechtem Ansprechen auf die Therapie handelt oder wenn es zu lange dauernden Auren oder zu häufigen Auren ohne Kopfschmerzen kommt. „Häufige Auren ohne Kopfschmerzen können Vorboten eines Migräneinfarkts darstellen“, gab die Rednerin zu bedenken. Bei Patientinnen in der Peri- und Postmenopause kommen die gleichen Optionen infrage wie in der Prämenopause. Gute Evidenz in der Migräneprophylaxe liegt bisher für Betablocker, Valproat und Amitriptylin vor. „Unter den neueren Antiepileptika zeigte vor allem Topiramat eine gute Wirkung.“

Dr. med. Katan wies darauf hin, das auf Komorbiditäten und Ko-Medikationen geachtet werden müsse. Hinsichtlich einer spezifischen hormonellen Migräneprophylaxe in der Menopause liegen nicht viele Daten vor. Eine kleine Studie untersuchte den Einsatz des GnRH-Agonisten Goserelin allein bzw. in Kombination mit transdermalen Östrogenen bei 21 prämenopausalen Frauen.3 Hier zeigte lediglich die Kombination einen Effekt.

Referenzen:

1 Russell MB et al, Int J Epidemiol 1995; 24: 612-8

2 MacGregor EA et al, Neurology 2006; 67: 2154-8

3 Martin V et al, Headache 2003; 43(4): 309-21</i>

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Letztes Update:17 August, 2009 - 23:00